Henrik Freischlader Band

Forstbaumschule (Kiel, 30.08.2007)

 

 

High Blueselity zu "Kieler Zeiten"

 

Pünktlich zu Beginn des Konzertes vor 20 Uhr begann sich der zunächst freudige Himmel dunkelblau zu färben und uns seine traurig-schaurigen Tränen zu schicken. Nach dem ersten wohl verdienten Feierabend-Bier und gar nicht mal erlaubten Schlemmen beim Ein-Jammen der Band war die Vorfreude bereits vorhanden. Der eigentliche Konzert-Abend entpuppte sich später zu einer feinen Zusammenkunft von bluesfreudigen Kielern, die sich dann doch nicht das wichtige UEFA-Cup-Rückspiel des Hamburger SV im TV ansehen wollten, sondern lieber etwas Großem im Kleinen (im Regen) beiwohnen wollten.

 

Nicht allzu viele jedoch fanden den Weg in die Forstbaumschule, einem hübsch grünflächig umsäumten Biergarten mit auch geschlossener Einkehrmöglichkeit im eher betuchteren Kieler Nord-Westen. Umso interessierter und bodenständiger war dann die kleine Schar Bluessüchtiger, die sich noch mit leicht ehrfürchtigem Abstand vor der Bühne versammelte und (insgesamt) knapp 2 Stunden den ausgefeilten Klängen von Henrik Freischlader und Band lauschte.

 

Kiels mittlerweile verlorener Sohn: Henrik Freischlader

 

Dieser gehaltene Abstand war ja aber auch nur als das symbolische Zollen von notwendigem Respekt zu verstehen,- wollte man hiermit der Band auch eigentlich nur Freiraum zur Entfaltung bieten. Diesen nutzten die Musiker dann dankend annehmend auch. Neben Soli am Schlagzeug…

 

Dirk Sengotta mit seinen persönlichen Warholschen „15 Minuten“

 

…und durchgehend kräftigen aber punktgenauen Einschlägen am Bass…

 

Oliver Schmellenkamp mit Bass-Solo

…glänzten die drei Jungs sowohl mit ihren Eigenkreationen aus dem – zum Glück nicht allzu sauber klingenden - Neuwerk „Get Closer“ (ZYX MUSIC, 2007) als auch mit Coverversionen allererster Güte aus den Federn und Fingern von Dylan und Hendrix.

 

Neben psychedelischen, smoothen oder auch mal harten Interpretationen von Peter Green oder Keb´Mo`, wurde man auf ausgesprochenem Wunsch eines Einzelnen aber der gedachten Bitte von Tausenden noch Zeuge eines an die 20 Minuten ausgedehnten Hendrix-Tributs, das die Gitarrenkünste vom ehrwürdigen Jimi mit dem virtuosen Arrangement der Freischlader-Band vereinigte. Mutig, wer sich an Hendrix wagt. Heldenhaft, wer es so interpretiert, daß es Hendrix ehrt und dabei eine eigene Note entfaltet.

 

Einem Hendrix-Cover in dieser ausgedehnten aber dabei anhaltend guten Manier habe ich persönlich jedenfalls zuvor noch nicht beiwohnen dürfen.

 

Aber auch die Songs aus eigener Hand wie das dreckig-funkige „Someone Like Me“ oder das mild-coole „Too Cool For Me“ boten viel Raum für Lob und Preis und mischten sich gut unter die Klassiker. Selbst das radiotauliche „I Give Up On Loving You“ wirkte bei dieser musikalischen Liveuntermalung überhaupt nicht fehl am Platze, sondern zeigte eine große Bandbreite auf, die sich einer eventuell auftretenden Langeweile unverwandt entgegenstellte. Der Druck der 3-Mann-Band entschädigte wie schon bei „GroßtatmitKleinkunst-Magier“ Aynsley Lister (siehe den Bericht bei uns) dafür, daß auch hier Hammond und Harmonica fehlte.

 

In diesem Augenblick des Glücks ärgerte ich mich jedenfalls wieder einmal, daß keine regionale Medienanstalt meine persönlichen GEZ-Gebühren dafür einsetzte, von diesem Momentum einen Mitschnitt für´s norddeutsche „Dritte“ zu leisten. Sei´s drum. 2 CDs, vor Ort gekauft, sollten ein wenig Trost schenken. Der Abend selbst spendet ihn mindestens noch für Wochen, die Aufnahme in die Lone Reviewer´sche Hall of Fame für Jahre…

 

 

a.j. (andre@lonereviewer.de)

Photos: a.j. (The Lone Reviewer)

 

Links

http://www.henrik-freischlader.de (offizielle Seite)

http://www.myspace.com/henrikfreischlader (offizieller MySpace-Auftritt) http://www.forstbaumschule.de (Location des Abends)

 

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